Suchmaschinen & Tracking

Für die ganz Ungeduldigen unter uns:

Einleitung

Der erste Schritt ins Internet beginnt i.d.R. mit einer Suchmaschine, dort gibt man seinen Suchbegriff in ein Formular ein und klickt dann auf ein Ergebniss in der Trefferliste. Oftmals wird das Formular schon durch die URL Leiste (oben) im Browser ersetzt, das was man dort eintippt wird an die voreingestellte Suchmaschine geschickt und dann wird gleich die Trefferliste angezeit.

Das ist soweit recht komfortabel, aber was macht eigentlich die voreingestellte Suchmaschine? Der naive Nutzer wird davon ausgehen, dass alle Anwender die den gleichen Begriff eingeben auch die gleiche Trefferliste erhalten, dem ist aber nicht so, zumindest nicht solange man Suchmaschinen wie beispielsweise Google (z.B. voreingestellt in Android, Chrome, Firefox und vielen Apple-Produkten) oder Bing (voreingestellt in Microsoft Produkten wie dem Internet-Explorer oder der Kachelansicht) und ähnliche nutzt.

Diese Suchmaschinen versuchen möglichst gute Trefferlisten für ihre Anwender zusammenzustellen, doch was ist gut? Die Eigenschaft gut kann man durch personalisiert ersetzen, was meint; in der Trefferliste werden solche oder ähnliche Verweise bevorzugt, auf die der Nutzer der Suchmaschine schon mal geklickt hat. Wenn man z.B. über mehrere Wochen auf Google zu einem Thema was gesucht hat, dann weiß Google bei der nächsten Suche schon recht genau in welcher thematischen Ecke gute Treffer zu finden sind kurz:

Das hat der Nutzer gestern gesucht und dann angelickt, dann wird es wohl heute ähnlich sein müssen.

Prinzipell ist das ja erst mal nicht schlecht und evtl. genau das, was man auch will. Doch was passiert eigentlich wenn man so was dauerhaft macht? Die personalisierte Trefferliste zu einer Suche bricht schon mal mit unserer ersten Annahme, dass alle Nutzer die gleiche Trefferliste zum gleichen Begriff erhalten.

Nimmt man beispielsweise gesellschaftlich relevante Themen (z.B. aktuelle Themen aus der Politik) und möchte mehr über die pro und contra Standpunkte recherchieren, so wird die angebotene Trefferliste nicht mehr neutral sein, da sie sich an dem orientiert, was wir evtl. schon in der Verganheit mal angelickt haben. Dabei ist der eigentlich Suchbegriff immer weniger relevant; wenn wir z.B. in der Vergangenheit – bei ganz anderen Fragestellungen – bevorzugt in das politisch linke oder rechte Lager gecklickt haben, so werden wir bei dieser neuen Sucher bevorzugt Treffer erhalten, die in eben das gleiche Lager verweisen. Diese auf Personalierung basierende und damt eingeschränkte bzw. gelenkte Sicht auf Informationen wird i.d.R. auch als Filterblase bezeichnet.

Erste Voraussetzung für eine Personalisierug ist das Sammel von Bewegungsdaten zu einem individuellem Nutzer, was auch als Tracking (WEB-Tracking) bezeichnet wird. Tracking beschränkt sich nicht auf die Suchmaschine, es gibt eine vielzahl von Trackern die auch auf den WEB-Seiten installiert sind, die man besucht (siehe Tracking).

Wer profitiert davon .. wirklich nur der Nutzer? Analytics & WEB-Tracking sind eine Wissenschaft für sich und ein stark umkämpfter Markt auf dem jeden Tag neue kreative Lösungen gefunden werden. Herrscharen von Entwicklern und Forschern werden seitens der werbenden Industrie engagiert um diese Verfahren weiter zu optimieren. Das wir als Benutzer diesen Zuschnitt an Angeboten teilweise als komfortabel empfinden ist eher ein Seiteneffekt um den Nutzer bei der Stange zu halten. Für den Nutzer selbst wird es immer schwerer hier zu unterscheiden, welche Inhalte für ihn zugeschnitten wurden und welche Inhalte neutral sind. Der Zuschnitt kann um so schärfer erfolgen, je mehr Informationen über den Nutzer bekannt sind und jeder Like oder Klick auf Facebook & Co schärft das Profiel des Nutzers weiter (s. z.B. Der Facebook-Faktor).

Do-not-track

Als Benutzer von Smart-Phone, -TV, WEB-Browser & Co. wird man dem Tracking niemals ganz entgehen können, man kann ihn aber auf verscheidenen Ebenen stark einschränken und der Aufwand dafür ist nicht besonders groß.

Meist bieten die WEB-Browser eine Einstellung „Do not Track“ oder ähnlich, das ist aber nur ein sehr schwacher Schutz, da dieser „Schutz“ passiv ist und auf die Mitwirkung der besuchten WEB-Seiten vertraut. Bei Einigen Anbietern im Netz, wie dem BSI und dem Online Zugang der Bank mag man darauf noch vertrauen können, meist darf man aber davon ausgehen, das die Mitwirkung der WEB-Seiten Betreiber eher schwach ist. Im Folgenden werden härtere/aktive Methoden zum Schutz empfohlen.

Anonyme Suche

Anonyme Suchmaschinen setzen kein Tracking ein. Jedoch blenden sie zwecks Finanzierung gekennzeichnete Werbung ein (s.a. Werbeblocker & Co. im WEB-Browser). Die Nähe solcher Unternehmen zur Werbebranche ist nicht immer unproblematisch. Genau genommen weiß man nicht, ob sich das Geschäftsmodel solcher Unternehemen im Laufe der Jahre nicht doch irgendwann verschiebt. Der aktuelle Fall von Startpage (s.u.) zeigt wie sich die Geschäftsmodelle still und leise ändern können.

searX (aka goggle++)

Ich empfehle die Verwendung einer searX Engine, davon gibt es reichlich im Netz:

Startpage.com ist dubios

Inzwischen wurde das Unternehmen geschluckt und befindet sich jetzt in den Händen von … naja man weiß es nicht so genau. Was man weiß steht in der Presseerklärung: Privacy One Group Ltd and Startpage’s relationship started in January 2019. Die Presseerklärung kam allerdings erst im Oktober 2019. Soviel zur Transparenz von Startpage. Privacy One Group Ltd gehört zu System1 LLC: privacy-focused division that is a separate operating unit of System1 LLC. Weiteres kann man über diese Abteilung (das Unternehmen?) nicht in Erfahrung bringen. Fragt man sich also, wer ist der Eigentümer System1 LLC? Ein Werbe- und Marketinganbieter, der mit dem Auswerten und Verarbeiten von Daten Umsatz generiert (s.a. Kuketz).

Werbeblocker & Co. im WEB-Browser

Gute Werbeblocker blockieren nicht nur die Werbung sondern gleich den ganzen Tracking Kram und WEB-Seiten die als Virenschleuder bekannt sind. Das gelingt nicht immer zu 100% aber annähernd. Empfehlenswert ist:

Eine in den letzten Jahren modern gewordene Methode des Trackings besteht darin, dass Anbieter wie z.B. Google oder Amazon oder .. den Betreibern von WEB-Seiten gratis anbieten bestimmte Inhalte wie z.B. die Schriftsätze die in der WEB-Seite verwendet werden zentral zu lagern. Für WEB-Seiten Betreiber hat das den Vorteil, dass der Trafic auf der eigenen Leitung z.T. erheblich reduziert werden kann. Das spart dem WEB-Seiten Betreiber Kosten hat für den Nutzer aber den Nachteil, dass diese Inhalte nun immer bei Google & Co abgeholt werden müssen. uBlock-origin blockiert das zum Teil, hier kann aber auch das folende AddOn etwas mehr als uBlock:

DNS Blocker

DNS ist quasi das Telefonbuch des Internets. Immer wenn man eine Domain wie google.de aufrufen will, muss dieser Name der Domain (google.de) in eine IP Adresse (sozusagen die Telefonnummer) der WEB-Seite aufgelöst werden. Ist das nicht möglich, kann der Inhalt der Adresse nicht geladen werden. DNS Blocker machen sich das zu nutze, sie filtern Domain-Adressen von Trackern raus und vermitteln dafür keine IP. Der Tracker läuft dann ins leere bzw. die Tracker Software kann erst gar nicht geladen werden. Da Tracker i.d.R. nur an die WEB-Seiten geklebt sind, schränkt das den Betrieb der WEB-Seite i.d.R. nicht ein.

Für kleinere Heimnetze kann die pi-hole als DNS Blocker empfohlen werden, ein DNS der im eigenen Netz läuft und anhand von regelmäßig aktualisierten Filterlisten alles rausfiltert was Tracking oder Schadsoftware vermittelt. Dabei ist es egal, ob Smart-TV oder Smart-Phone oder andere IoT Geräte ins Internet gehen wollen. DNS Blocking funktioniert für alle Komponenten im eigenen Netz.

Wenn man mit dem Smart-Phone unterwegs ist kann das nicht funktionieren, weil man dann ja nicht mehr im eigenen Netz ist, sondern über die SIM Karte oder ein anderes WLAN ins Internet gelangt. Für Smart-Phones empfiehlt sich deshalb die Installation des:

Der DNS Blocker blockiert Anfragen an Internet-Adressen die Werbung oder Schadsoftware verbreiten. Dabei ist es egal ob diese Anfrage aus dem WEB-Browser kommt oder versteckt in einer Anwendung (App) erfolgt. Das blockieren solcher Adressen sollte die Grundlage eines jeden Sicherheitskonzepts sein und eignet sich auch als erster Kinderschutz.

Tracking

Tracking ist nicht per se böse. Wenn man beispielsweise bei seiner Bank eine Online Überweisung macht, dann ist das schon sehr wichtig, dass die WEB-Seite der Bank weiß, wer da grad versucht eine Überweisung durchzuführen. Um nicht jeden Klick mit einem Login-Passwort bestätigen zu müssen, meldet man sich einmal an und die WEB-Seite setzt ein Cookie (oder eine andere technische Tracking-Lösung) an dem sie erkennen kann, dass die Überweisung von dem Anwender kommt, der sich grad zu diesem Konto eingelogt hat (vereinfacht dargestellt). Wird die Sitzung geschlossen, so sollte die WEB-Seite den Cookie vergessen (löschen), das ist es was wir erwarten und was bei Banken aus Sicherheitsgründen auch noch ganz gut funktioniert.

Bewegt man sich im Internet, sei es aktiv in einem WEB-Browser oder weniger aktiv in einer Anwendung (z.B. App aus dem Smart-Phone, -TV oder ..), die im Hintergrund Daten mit dem Internet austauscht, so ist das meist nicht der Fall. Insbesondere nicht, wenn man Inhalte und Anwendungen der großen Anbieter nutzt. Diese setzen i.d.R. masiv Tracker ein, einer Studie des Frauenhofer SIT aus 2014 zu Folge werden nicht selten auf einer WEB-Seite bis zu 50 Tracker eingesetzt.

Hinweis

Auf der verlinkten Seite des Frauenhofer SIT werden auch ‚Schutzmaßnahmen‘ vorgeschlagen, diese sind veraltet und boten schon immer einen nur sehr eingeschränkten Tracking-Schutz.

In der Abbildung Vernetzung besuchter Seiten und deren Tracker sieht man eine ca. 10 minütige Sitzung von mir, bei der ich wild diverse populäre Seiten nur kurz angeklickt hab (wurde mit lightbeam erstellt). Die runden Punkte sind die WEB-Seiten, die man eigentlich besucht hat und die dreieckigen Knoten sind Tracker. Wenn mehrere WEB-Seiten Anbieter die gleichen Tracker verwenden, dann weiß dieser Tracker was man auf welcher der Seiten besucht hat und wie man sich dort im einzelnen bewegt hat. Die Graphik ist dabei nicht unbedingt vollständig, da es zu aufwendig war alle Tracker-Schutzmaßnahmen in unserem Netzwerk abzuschalten. Sie soll auch nur verdeutlichen, wie schnell (nach 10Min) so ein Trackernetzwerk aufgebaut ist.

Figure (tracker_mash_up.png)

Vernetzung besuchter Seiten und deren Tracker

Um so mehr Tracker eine Seite verwendet, um so schneller und dichter wird das Netz gespannt. Die Graphik des lightbeam ist zwar ganz nett, aber um einen ersten Eindruck von einer WEB-Seite zu bekommen kann man die Domain auch kurz hier eintippen.

Man erschrickt doch manchmal, wie schlecht teilweise WEB-Seiten gemacht sind, hier z.B. die Auswertung der WEB-Seite der Computer-Zeitschrift CHIP:

Doch es geht noch schlimmer, andere schlechte Beispiele sind auto.de oder autobild.de.

Ist das noch seriös? .. die Frage mag sich jeder selber beantworten: Stecken Sie mal die Adressen Ihrer Bank (müsste immer OK sein) und ihrer Lieblingsseite da rein um sich enen eigenen Eindruck zu verschaffen.